Vielerorts wird dem politischen / ethischen Konsumenten Gutmenschtum vorgeworfen, ja man wolle sich ein reines Gewissen kaufen, sich selbst in einer schwarz/weißen Welt als Weiß profilieren.
Das ist natürlich immer wieder ein sehr hartes, schwer konterbares Argument das mich auch jedes mal aufs Neue ins Schwanken bringt. Nein, eigentlich nicht. Who cares, vielleicht ja - vielleicht nein, allgemein betrachtet dürfte der allgemeine Sympathie & Glaubwürdigkeitsbonus für den wild spekulierender Modezyniker jedenfalls geringer ausfallen. Grundsätzlich kann man doch davon ausgehen, das es dem gutgewillten Mitmenschen herzlich egal sein darf was ich einkaufe und wieso - wo liegt also der Grund für die Besorgnis um diese vermeintliche Charakterschwäche? Das es nicht schicklich ist als Consience-Consumer dargestellt zu werden ist klar, so beschreibt man doch eigentlich den typischen Wohlstandsdeutschen der irgendetwas wieder gut machen will. Und zu Menschen die an pelzbeschmückten Wohlhabende auf Charityaktionen erinnern, möchte man sich nur ungern zählen. Die einfache Lösung: Man kauft weiter bei Lidl ein und versucht sein Weltbild zu verbreiten.
Es ist so als müsste man als an Nachhaltigkeit und Menschenrechten interessierter Konsument schon immer so gelebt haben. “Und von wem wurde dein Fila-Sweater genäht?”; “Und du bist also nicht mit dem Auto hierher gefahren, oder was?” und ähnliches muss man sich anhören. Als ob man a) sich schon immer Gedanken um jede einzelne Handlung gemacht hätte, quasi nie ein Leben davor geführt hätte, b) einen Eid abgelegt hätte nie wieder bei Aldi einzukaufen oder alle Wege nun per Camelboots läuft. Aber auch als völlig inkorrekter Konsument darf geurteilt, geprüft, beäugt werden. Hau den Lukas, den Vollspast der sich für das Morgen interessiert. Wenn man mal nur bei sich selbst so genau wären…
“HALLO? Das ist zufällig mein Leben und ich kann machen was ich will und selbst wenn ich mir eine Megatonne genmanipuliertes Soja direkt bei Nestle kaufen würde, hättest du nicht das Recht über meinen Lebensstil zu urteilen” - so möchte man antworten. Aber als Gutmensch macht man es anders: Man belächelt, nicht liebevoll aber dennoch fast hobbymäßig die geistige Insuffienz …
Dieser Artikel wurde am 19.Februar 2007 von Sjörn Plitzko geschrieben und unter Randnotizen abgelegt. | Tags: ethisch korrekt, Gutmenschtum, Nestle, Soja, Umweltbewußtsein
















hey, das ist ne harte sache comments von anderen zu bekommen, aber nur dann wenn du dir deiner sache nicht ganz bewusst bist. wenn man das ganze durchziehen will, weiß man, dass man immer noch ein wenig mehr tun kann und jeder fragt sich irgendwann wo schluss ist. Die rechtfertigung, dass andere es schlimmer machen, und man selbst ja auch nicht perfekt ist führt zu einer art gleichgültigkeit. wenn man das ganze durchziehen will sollte es immer heißen: “ja du hast recht. prinzipiell war das falsch was ich getan hab.” nicht nur um dem gegenüber zu zeigen, was für eine charakterliche stärke mit so einer äußerung einhergehen kann und ihm somit als vorbild dienen zu können, ist der grund dafür, sondern auch, sich selbst daran zu erinnern, dass man meist immer noch ein wenig mehr zutun hat als das was man zur zeit tut.
jeder hat ein derartiges problem auf so ziemlich jedem weg, ob nun als journalist, konsumkritiker, sportler, politiker oder priester, aber es stehen immer die an erster stelle die ihre bahn beibehalten und sich nicht von, zugegeben ziemlich argumentlosen, äußerungen ablenken lassen.
in diesem sinne, bleib bei deinem kurs, ich halt ihn auch ;) du stehst in meiner blogroll.
mfg, joschua.