Momentan spricht Michael Braungart- Gleich soll es um Cradle to Cradle - Products gehen. Das sind Produkte, bei denen der nächste Verwertungsschritt schon mit eingeplant ist. Das Konzept geht also weiter als reines Upcycling.
Er spricht über Mattel, eine Spielzeugfirma in deren Produkte bis zu 30 krebserzeugende Stoffe enthalten sind. Das Thema Giftmüll im Kinderzimmer untersucht er wissenschaftlich. Des Weiteren seien auch Spielzeuge der Erwachsenen wie Armani-Anzüge nur Sondermüll, sogar die nachgemachten Fakes enthalten weniger Gifststoffe als die Originale. Dieser Mann bringt wirklich vieles mit absolut direkten Hammersprüchen auf den Punkt. Beispiel: “Die deutsche Bahn sagt : ” Schützt die Umwelt, fahrt weniger Auto”, das ist quasi das Gleiche, wie zu sagen Schütze deinKind, schlag es weniger”
Er hat herausgefunden das die PVC-Weichmacher, welche in Mattel-Spielzeug enthalten sind unfruchtbar machen, weshalb er bei der Bundesregierung ein Verbot angeregt hat. Dies hatte circa 10 Jahre gedauert bis es zu einer Pseudolösung kam und Weichmacher für Kinder unter 3 Jahren verboten wurde.
Weitere schöne Highlights aus seinem Beitrag finden sich bei der, im übrigen immer boykottierenswerteren, Taz.
Alles in allem für mich der beste Beitrag des Tages.
Dieser Artikel wurde am 16.November 2008 von Sjörn Plitzko geschrieben und unter Randnotizen abgelegt. |

















Hallo Sjörn,
freut mich, dass Du das auch so siehst, dachte schon, dass das Hollywoodfieber alle dahinraffte.
Danke Herwig. Ganz im Gegenteil, ich fand den Hollywoodbeitrag inhaltlich sehr uninteressant.
Hab mir gerade den Vortrag von Braumgart auf utopia angehört. Das Konzept kannte ich schon und finde es auch super. Ist wohl letztlich der einzige Weg für eine nachhaltige Wirtschaftsweise auf höherem technologischen und materiellem Niveau.
Braungart’s Auftritte finde ich hingegen peinlich. Nicht nur, dass er durch Verwerfung von Begriffen wie Nachhaltigkeit versucht ein bisschen schriller rüberzukommen.
Viel schlimmer finde ich, dass er die Zeit, die vergeht, bis alles nach dem Öko-Effektivitäts-Konzept produziert wird, schlicht ausklammert und durch ständige Anfeindungen Reduzierungsstrategien auch für die “Übergangszeit” für überflüssig erklärt.
Was wir bis dahin in Verbundprodukten verbrauchen und durch nicht-öko-effektive Produktion vergiften kann später kaum noch alles in Kreisläufe überführt werden. Aber diese Erkenntnis ist dem Professor wohl zu Industriefeindlich, als das er sie aussprechen würde. Und ob bis dahin ein paar Kinder mehr oder weniger E-Waste-vergiftetes Wasser trinken - was solls - Hauptsache keiner redet über Reduzierung, auch nicht vorrübergehend.
Was Braungart auch noch ausblendet ist, dass das ständige “neu, schöner, besser, trendiger” bei Kleidung, Handys, mp3-Playern und vor allem allen Designprodukten etc. selbst bei bahnbrechenden Innovationen zur 100-prozentigen Kreislauffähigkeit noch problematisch bleibt. Denn Produktion verbraucht Energie und wir werden uns dann entscheiden müssen, ob wir alles mit Solar- und Windenenergie-Anlagen zupflastern oder lieber doch ein bißchen weniger materialistisch leben wollen.
Peinlich auch die Bezeichnung Kubas als “großes Konzentrationslager”. Nicht das Kuba-Kritik nicht seine Berechtigung hätte, aber das ist echt ne harte Nummer.
So sehr mir der Ansatz Braungarts konzeptuell gefällt, muss ich da fairskate zustimmen: Die Utopie kann noch so schön sein, wenn sie sich nicht mit der Frage des Übergangs der alten Produktionsweise in die neue beschäftigt, dann ist sie in der Praxis wertlos. Wenn er Kuba als KZ umschreibt, scheint er ja den westlichen Kapitalismus zumindest als geringeres Übel zu betrachten. Vielleicht sollte er sich da mal mit einigen Firmen zusammen tun, und einen Upcycling-Cluster entwerfen, der sich dann am Markt behaupten muss. Macht der Profit, hat er plötzlich praktische Argumente. Oder wie will er sonst die Wirtschaft überzeugen? Politische Lobbyarbeit kann er ja nicht ernsthaft als Option sehen…
ach was, du warst auch da? sind wir ja prima aneinander vorbeigelaufen :)