Kategorie 'Gedanken und so'

Sitzplatzfaschismus

Donnerstag, 1. Mai 2008 at 1:45 pm

Es ist schon verdammt seltsam:

Mit der Absicht unsere Umwelt vor dem bösen, alles vernichtenden Staatsfeind Nummer 1 (a.k.a. Co2) zu bewahren betrete ich eine Straßenbahn. Der Umwelt-Express beeinhaltet ein wohlig warmes Weltenrettergefühl, welches bestimmt omipräsent ist. Die Tram als Ort an dem sich nachhaltig denkende Menschen rücksichtsvoll und mit einer gehörigen Portion sozialer Wärme begegnen. So schön können Gedanken sein… weiter lesen �

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von Sjörn Plitzko

Ökofaire Eltern und ihre Kinder die ihren Teller Revolution gefälligst aufessen sollen

Mittwoch, 23. Januar 2008 at 8:21 pm

Selbst Vater der durch die Geburt seines Sohn grünifiziert wurde, weiß ich um die entstehenden Rollenkonflikte der wechselseitigen Kombination Elterndasein / Öko - Öko / Elterndasein. Es ist nicht immer leicht seinen Ansprüchen in der Rolle als Öko gerecht zu werden, während die über alles geliebten Kinder in einer Welt aus Power Rangers, Spiderman und Soja-Lecithinen groß werden. So ist es zu Beginn alles noch ganz harmlos, Babies können sich ja noch nicht wehren - aber kaum erlernen die Kinder die rudimentären Funktionen ihres Sprachorgans (das wäre bspw. “Nein”) kommen die ersten Akzeptanzprobleme mit dem liebevoll gebackenen Dinkel-Geburtstagskuchen zum Vorschein.

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von Sjörn Plitzko

Mein Kuschelbio

Samstag, 19. Januar 2008 at 9:07 am

Herzig und mit einem offenen Blick in die Augen - so werde ich im Alnatura beraten. Keine schlecht gelaunten Verkäufer die einen bei der Frage nach dem Standort der Pastinaken anraunzen, so das man sich vorkommt wie ein kleiner Schuljunge der mit Eselsohrenmütze in die Ecke geschickt wird, keine lauten Mikrofone die mit frustierter Bardamen-Stimme “STORNO” durch die Boxen plärren das Membrane reißen. Nein, hier geht es ruhig und gediegen zu im sanften Licht des Biotempels. Auch beim Bäcker steht man geduldig da und wartet mit dem gütigen Lächeln Buddhas wenn die Vorderfrau mit gefilztem Klopapierrollenschoner auf dem Kopf und Nordic Walking - Stäben unter den Armen wehrlosen Kindern Augen auspiekt und sich alle Zutaten des Krebsbacher Urkeimbrotes und deren Verarbeitung erklären läßt.

Es ist schon ein fluffiges Einkaufsgefühl wenn man sich in die sichere Konsumzone begibt und nach all dem Shoppingstress zwischen dem ganzen Prekariat (neudeutsch für Pack, respektive Abschaum) auch mal einen Rückzugspunkt gönnt. Hier kann Ulrike (für Freunde: “Ulli”) noch ihren kleinen Racker Jean-Pascal in Ruhe Rote Rüben abzählen lassen während sie das levitierte Wasser sucht, ohne Angst haben zu müssen er werde gleich von einem dieser Hartz4 - Menschen geklaut.

Das trotz stetig steigender Umsätze in manchen Filialen auf einmal alle Aushilfskräfte fristlos gekündigt wurden fällt zwischen all dem kuscheligen Flausch gar nicht auf.

von Sjörn Plitzko

Kriminelle Nachhaltigkeit?

Mittwoch, 19. Dezember 2007 at 8:47 pm

Das folgende Posting beruht (so wie alle anderen) auf wahren Tatsachen.

Mittwoch Abend, Kaufhof: Ein junger Mann mit verdächtiger Kappe, Augenringen und Dreitagebart kauft einen Stapel Kinderspiele. Die Verkäuferin wundert sich das er die überdimensional wirkende Tüte ablehnt und erkundigt sich ob er das wirklich schaffe. Er bejaht, sieht es als Dienst für die Welt von morgen und trägt den Stapel schnaufend aus dem Konsumtempel in Richtung Straßenbahn. Gerade als er einsteigen will, wird er von einer Verkäuferin und einem Polizisten daran gehindert und in einen mobilen Sicherheitscontainer gebracht. Die Verkäuferin ist unterdessen im Geschäft und benachrichtigt den Kaufhausdetektiv. weiter lesen �

von Sjörn Plitzko

Eltern - grüninfiziert durch die eigenen Kinder?

Montag, 3. Dezember 2007 at 10:54 pm

Wenn man ausnahmsweise nicht in der Stimmung wäre sich in die eigene Tasche zu lügen, würden viele grüne Eltern schnell feststellen das sie gar nicht so grün wären, wären sie keine Eltern.

So auch ich. Früher musste mich der häufig unwillkommene Besuch unter McD & Pizzakartonagen suchen. Achtlos warf ich halbfunktionierende Gegenstände voll toxischer Inhaltstoffe zwischen die Batterien und die “Unter-10-Pfennig”-Münzen einfach in die Restmülltüte, von der ich nicht einmal wußte das es eben eine solche sein soll, da es die einzige Vorhandene war. Im Gegensatz zum Portmonnaie stets prall gefüllt konnte ich diesen dann statt hippem Sitzsack wenigstens als sich ergonomisch anpassende Gesäßunterlage anbieten . Bio war für mich Wohlstands-Verarsche und ich aß mindestens einmal die Woche ein Fertigfisch (!)-Gericht und wenn mir jemand sagte das die Meere so langsam leegefischt seien, bot ich als passenden Rahmen noch ein paar Fischstäbchen an.

ffwd: Freundin, Liebe, echtes Kochen, ungeschützte Romantik, dicker Bauch, Hochzeit, Kind. Bamm. weiter lesen �

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von Sjörn Plitzko

Blog Action Day - Du und deine Umwelt

Montag, 15. Oktober 2007 at 1:34 pm

Du und deine blöde Umwelt. Sollen doch erstma “die da oben” was machen bevor ich mir hier mein Leben schwer mache und am Ende eh alles umsonst war. Warum das Spülschwämmchen waschen und nicht einfach neue kaufen. Die sind doch eh so billig. Mülltrennung? Die gelben Säcke machen doch bloß Kohle damit. Ob ich da jetzt mit meinem Auto ne Stunde mehr oder weniger fahr, ist doch gleich. Ich finde gebrauchte Dinge blöd, nur Neues ist ein Garant für Funktion & Qualität.

Könnte einer dieser Sätze von dir sein? Herzlichen Glückwunsch, du bist Besitzer eines waschechten stoisierenden Glaubenssatzes. Dabei ist es so einfach etwas zu tun, etwas wirksames zu tun. Ich weiß dir wurde immer Glauben gemacht, du könntest eh nichts schaffen, nichts verändern. Du bist ja nur der “kleine Mann”. Sorry, ich glaube das du bestimmt intelligent bist, aber warum lässt du dir so ins Hirn scheißen? Es ist doch genau anders herum: “Die da oben” machen nichts und genau deshalb müssen WIR es anpacken. Bei genauer Betrachtung ist die Wirtschaft unser Lakai und nicht umgekehrt. Geld steuert Dinge und WIR geben jeden Tag Geld aus. Überleg dir was du kaufst und wem du dein Geld gibst. Schmeiß die Dogmen doch mal über Bord und fang mit ganz kleinen Schritten an. Achte erstma darauf wo du überall ne Plastiktüte bekommst. Ganz schön viel, ne? Und jetzt legste dir ne Ladung Baumwolltaschen in den Kofferraum und benutzt einfach diese. Schon haste was für die Umwelt getan. Trenne dein Altpapier, aber kauf auch Produkte aus eben diesem, sonst hilft alles trennen nichts. Verschenk deinen (funktionierenden) Elektroschrott deinen Kumpels, die freuen sich, kaufen selbst keinen Neuen und schon wieder haste Gift ne Weile aus der Umwelt ferngehalten. Wenn du n Autofahrer bist, nimm dir vor ein, zwei mal im Monat die U-Bahn zu benutzen oder n Fahrrad. Schon hast du Co2 vermieden. Kauf Großpackungen um Müll zu vermeiden. Papier statt Plastik am Obst & Gemüsestand. Mit der Tupperdose an die Käsetheke.Verkauf dein Zeug bei eBay anstatt es wegzuschmeißen, kauf dein Zeug gebraucht bei eBay und heb dir den Karton auf mit der du es bekommst. Pack dein verkauftes Zeug in den Karton und spare Verpackungskosten. Spare Geld und wechsel zu Ökostrom. Seit ich diesen benutze bekomme ich Geld wieder anstatt nach zu zahlen. Repariere anstatt wegzuschmeißen. Du willst auf ein Konzert mit Freunden, rege Fahrgemeinschaften an. Scheiß auf Billigflieger, echtes Abenteuer-Urlaubsgefühl kommt erst im Zug so richtig. Genieß das Leben in dem du es genießt deine Umwelt zu bewahren. Doch werde nicht so pathetisch dabei, wie ich jetzt gerade. Stell dir das Leben als Jump & Run -Spiel vor, du bist der Hauptprotagonist und knackst durch ganz viele kleine Taten den Highscore. Hier mal recyceltes Klopapier gekauft, da mal ne Pfandflasche statt ner Dose und deine Environment-Points steigen und steigen.

Scheiß auf den großen Wurf. Fang klein an. Lass dir nicht einreden du könntest nichst verändern. Bleib Mensch. Denk nach, lass dich nicht verarschen. Du kannst die Welt verändern. Kein Hippiescheiß. Echtes Leben. JETZT.

von Sjörn Plitzko